Kaum ein Thema polarisiert im Mittelstand aktuell so wie KI-Coding. Die Claims der Anbieter sind groß: Vollautonomes Programmieren, Entwicklerteams werden obsolet, ein einzelner Product Owner baut Software, für die früher zehn Entwickler nötig waren. Die Gegenpositionen sind ebenso laut: Halluzinationen, Sicherheitsrisiken, technische Schulden im industriellen Maßstab. Zwischen beiden Lagern sitzen Geschäftsführer und IT-Leitungen mit der nüchternen Frage: Was stimmt jetzt eigentlich — und was muss ich als Entscheider daraus ziehen?
Am 22. April 2026 habe ich in einem Webinar versucht, diese Frage empirisch zu beantworten. Grundlage war ein über fünf Wochen durchgeführtes Experiment: Ein vollständiges ERP/CRM-System — 220.000 Code-Zeilen, 17 Module, 2.517 Tests — zum allergrößten Teil durch einen KI-Coding-Agenten (Claude Code) geschrieben. Dieser Artikel fasst die Kernbefunde zusammen. Er richtet sich an Entscheider und Projektleiter im Mittelstand, die KI nicht aus der Vogelperspektive betrachten wollen, sondern wissen müssen, was in der Realität passiert, wenn man es wirklich einsetzt.